…und was Organisationen daraus über Kommunikation lernen können.
Heute stolperte ich über eine Rede von Donald Trump bei der UN:
„Alles, was ich von den Vereinten Nationen bekommen habe, war eine kaputte Rolltreppe und ein kaputter Teleprompter.“
Donald Trump, UN-Vollversammlung
Die First Lady sei fast gestürzt, aber in „großartiger Form“. Er selbst natürlich auch.
Dann erzählt er, wie er „Millionen Menschenleben gerettet“ habe und eigentlich den Friedensnobelpreis verdient hätte. Dazwischen: Eigenlob, erratische Themenwechsel von Weltfrieden zu Fitnesslevel, von UN-Kritik zu Selbstverklärung.
Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was in über einer Stunde auf offener Bühne zerfloss – eine kommunikative Erosion, live und ohne Netz.
Eine Rede oder eine spontane Therapiesitzung auf globaler Bühne?
Was hier wie eine Karikatur klingt, ist tatsächlich passiert. Und es offenbart, fast wie im Lehrbuch, alles, was eine Kommunikation dysfunktional macht. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch in Organisationen.
Ich möchte aus systemischer Perspektive sieben Punkte nennen, die jede Kommunikation sabotieren – ob im Unternehmen oder auf dem Weltparkett.
- Kein Kontext, kein Kompass
Eine Rede braucht Orientierung. Wer sich verheddert in Anekdoten, Rollenwechseln (dritte Person? erste Person?) und wechselnden Adressaten, zersägt sich den Boden, auf dem er steht. – Systemisch gesprochen: Ohne stabilen Beobachterstandpunkt entstehen keine anschlussfähigen Strukturen. - Verwechslung von Bühne und Bedürfnis
Wer Kommunikation dazu nutzt, sich selbst zu versichern („Ich bin in großartiger Form“), redet nicht, sondern kollabiert live in der Öffentlichkeit. – Die Bühne wird zum Resonanzkörper für innere Unruhe, nicht für gemeinsame Bedeutung. - Anekdoten, die nicht tragen
Die Geschichte mit der Rolltreppe hätte im Comedy Club funktioniert. Vor der UN wird sie zur unfreiwilligen Groteske. – Nicht jede Geschichte ist eine gute Geschichte. Wirkung braucht Relevanz. - Faktenfreie Überhöhung
„Ich habe Millionen Menschenleben gerettet.“ Ohne Beleg ist das nicht Größe, sondern Größenwahn. – Kommunikation verliert Glaubwürdigkeit, wenn sie Realitätsbezug durch Pathos ersetzt. - Strukturmangel ist kein Stilmittel
Manche nennen es spontan, andere chaotisch. Gute Reden haben Spannungsbögen, überraschende Wendungen, aber kein orientierungsloses Mäandern. – Unstruktur ist kein Charisma. - Weltbühne als Ort für Ego-Narrative
Wer globale Institutionen zur Kulisse der eigenen Relevanzfantasien macht, verfehlt den Auftrag. – Auch das erleben wir in Unternehmen: Wenn Meetings zum Monolog mutieren, stirbt kollektive Kommunikation. - Verwechslung von Klarheit mit Lautstärke
Wer laut ist, wirkt nicht automatisch deutlich. – Klarheit entsteht nicht durch Volumen, sondern durch Struktur, Haltung und bewusste Adressierung.
Was Organisationen daraus lernen können
Ob eine Rede auf der Weltbühne oder ein Change-Projekt im Unternehmen: Kommunikation ist nie bloß Informationsweitergabe. Sie ist Formbildung in der Unwahrscheinlichkeit.
Das bedeutet: Nicht was gesagt wird, entscheidet – sondern wie es in das bestehende System eingebettet werden kann.
Und genau dafür braucht es Komplexitätsresilienz – die Fähigkeit, auch unter Unsicherheit anschlussfähig zu bleiben. In der Rede wie im Betrieb. In meinen Keynotes spreche ich darüber, wie Organisationen diese Fähigkeit entwickeln und Kommunikationsräume schaffen, die Wirkung ermöglichen.
Warum ich das erzähle? – Weil ich überzeugt bin: Reden verändern keine Welt, aber sie verändern Zuhörer.
Und manchmal braucht es einen schlechten Auftritt, um zu zeigen, was gute Kommunikation wirklich ausmacht.
Darüber rede ich. Professionell. Auf Bühnen. In Unternehmen. Im Sparring.
👉 Wenn du wissen willst, wie Reden wieder wirken und Systeme wieder hören können, melde dich gern. Ich bringe Sprache in Form – und Systeme in Bewegung.
